IPv6 Mini-Howto
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IPv6 hat fast jeder schon mal irgendwie gehört, vielleicht auch schon einen Artikel darüber gelesen und kopfschüttelnd gedacht, wie kompliziert diese Adressiererei gegenüber v4 doch anmutet.

Mir persönlich hat es sehr geholfen, nicht IPv4 und v6 gegenüberzustellen, sondern IPX, Novells Internet Packet Exchange Protokoll aus der guten, alten Netware-Zeit. IPX war einfach und handhabbar:

IPX hatte allerdings nicht nur Vorteile. Der größte Nachteil war wohl die Möglichkeit, auf Ethernet-Ebene den Frametypen wählbar zu machen (und je nach Netware-Version einen anderen Defaultwert zu benutzen). Weiterhin kannte IPX Namensauflösungen nur für Server, aber nicht für Clients. Die Station-ID entsprach der Ethernet-Hardwareadresse und war dementsprechend kryptisch zu merken. Wer kann sich schon z.B. 00:00:C0:28:67:68 als Hostnamen merken?

IPv6 vereinigt nun einige Konzepte von IPX und IPv4 und führt auch einige neue ein:

In Kürze bedeuten die letzten Punkte: Eine ganz wichtige Abkehr von den IPv4 Konzepten ist daß es erlaubt ist, auf einem Strang mehrere Netze parallel konfiguriert sein können. Es ist nicht nur erlaubt, sondern wird genau genommen auch schon IPv6-intern fleißig benutzt. Bei IPv4 waren Multicastadressen im 224er Bereich die einzige Ausnahme, während Multicastkonzepte bei v6 so sorgfältig implementiert wurden, daß es gar keine Broadcastadressen mehr gibt. Genauere Informationen finden sich in der Fachliteratur.

Ohne einen Router im lokalen Strang benutzen alle Hosts standardmäßig das Prefix fe80::/64 mit ihrer angehängten, aufgepumpten Ethernetadresse zur Kommunikation. Dieses Prefix wird nicht geroutet und wird auch bei mehreren Strängen pro Host immer benutzt. Mit dieser Adresse sucht der Host nach Routern und Diensten im lokalen Strang und bekommt damit dann letztendlich, sofern ein Router oder ähnliches Gerät vorhanden ist, ein offizielles, routbares Präfix.

Wer Interesse hat, bei IPv6 ganz vorne dabei zu sein und auch echte Dienste nutzen zu können, der hat bei ->Sixxs die Möglichkeit, sich sein individuelles Präfix mit 48-Bit Netzmaske zu sich tunneln zu lassen.

DNS ist eine eigene Sache, wenn auch nicht weiter schwer. In den Vorwärtszonen wird der Recordtyp AAAA statt A benutzt (weil die Adressen ja auch viermal so groß sind wie vormals):

ibook       IN  A       192.168.59.4
            IN  AAAA    2001:6f8:1296:1:20d:93ff:fe3b:41e8
Die Rückwärtsauflösung ist etwas komplexer, statt in-addr.arpa wird als Pseudodomain ip6.arpa verwendet. Die Notation der Adressen ist wesentlich unübersichtlicher als bei IPv4. Daß die komplette Adresse umgedreht wird, ist aus den Hierarchieprinzipien des DNS noch ersichtlich, zusätzlich werden die einzelnen Adreßkomponenten nibbleweise auseinanderklabüsert und mit Punkten getrennt aufnotiert:
$ORIGIN 1.0.0.0.6.9.2.1.8.f.6.0.1.0.0.2.ip6.arpa.
8.e.1.4.b.3.e.f.f.f.3.9.d.0.2.0     IN  PTR     ibook.pocnet.net.
Hier hilft es sehr, die $ORIGIN-Gruppierungsfunktion des DNS zu verwenden. Im Beispiel ist die Adresse auch wieder auf 64-Bit Grenze geteilt worden. So steht im RR für den PTR wirklich nur die Hostadresse und das Präfix wird im $ORIGIN festgelegt.

Programme können entweder von sich aus einen IPv6 Socket öffnen, oder über den inetd IPv6 fähig gemacht werden. Hier empfiehlt sich der Einsatz von openbsd-inetd.

Soweit zu meinen Erfahrungen mit IPv6. Im Internet findet man mit etwas Geduld und Google noch viele weitere Ressourcen zum Thema.

(c) by Patrik Schindler <webhamster@pocnet.net>, 1999-2008