Infinity-e
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Nein, das e im Namen hat nix mit E-Commerce, E-Mail oder E-Sonstwas zutun. Das e steht schlicht für das Wörtchen "Endstufe".
Ende letzten Jahres fingen die ersten Vorbereitungen für diese Endstufe an. Bei der Firma ->BtB-Elektronik bekam ich die bestellten Ausgangsübertrager für 4 Stück EL84. Wuchtig und mit viel Kernmaterial versprach das eine recht gute Baßübertragung. Netterweise liefern die Jungs standardmäßig Trafos mit Ultralinearanzapfung, was eine unerwartete, aber willkommene Überraschung darstellte. Die EL84 standen schon länger fest, ich habe einfach mal geschätzt, daß das genügend Leistungsreserven auch für problematische Stücke (Manowar: Master of the Wind) beinhalten dürfte. Für den guten Preis sind die Trafos wirklich sehr zu empfehlen!
Blieb noch die Frage nach der Vorröhre. Die übliche ECC82 als Treiber war mir irgendwie zu gewöhnlich. Letztendlich standen ECC84 und ECC88 auf dem Speiseplan. Ich habe mich dann für die PCC84 entschieden. Mit 7,2V Heizspannung ist diese näher an den gleichgerichteten 6,3V, wobei man leichte Überheizung von 0,3V problemlos in Kauf nehmen kann. Bei der PCC88 wäre die Nennspannung 7V gewesen: Stärkere Überheizung. Weiterhin ist das Steuergitter der PCC84 des einen Systems mit der Abschirmung verbunden: Praktisch für die angewendete Art der Phasenumkehrschaltung. ECC84 hatte ich nur 2 Stück, von daher wollte ich die nicht dafür aufbrauchen. PCC84 hat man genauso wie EL84 doch noch öfters in größeren Restbeständen in der Bastelkiste liegen. ;-)

Schaltbild
Die Schaltung der Endstufe.

Die Eingangsschaltung ist sehr niederohmig gehalten, damit zum Einen die PCC84 nicht verhungert und zum Anderen genügend Stromreserven vorhanden sind, sollten die EL84 aus irgend einem Grunde bis ins Gitterstromgebiet ausgesteuert werden.

Der Abgleich ist einfach: Zuerst wird die Gittervorspannung mit dem Trimmer -Ug auf Maximum eingestellt. Mit dem Trimmpoti an der Anode des 2. PCC84-Systems wird auf 100% Symmetrie der beiden Ausgangsspannungen an den Koppelkondensatoren abgeglichen.
Zum Symmetrieabgleich der Endstufe selbst wird per Multimeter an -Ug eine Gittervorspannung von ca. -15V eingestellt. Das Poti "Symm" sollte dazu auf Mittelstellung stehen. Danach wird der Schalter "Symm" umgelegt: Beide Zweige werden gleichphasig angesteuert, was sich im Ausgangstrafo wieder weitestgehend aufheben sollte. Mit dem Symm-Poti wird jetzt auf Lautstärkeminimum abgeglichen. Perfektionisten belasten die Endstufe dann mit einem Widerstand und finden den günstigsten Wert der Gittervorspannung: Wenn die Sinuskuppen eben beschnitten werden, sollte noch keine merkliche Verformung des Nulldurchgangs eintreten.

Auf eine Gegenkopplung habe ich dank der sehr guten Übertragungseigenschaften der Ausgangstrafos verzichtet. Das kommt den Freaks entgegen, die Gegenkopplungen scheuen wie der Teufel das Weihwasser. Tatsächlich wird der Clippingseinsatz dadurch weicher, es klingt bei hohen Lautstärken "Röhriger".

Achtung: Wenn sich die Anodenspannungen der Vorstufe sehr unterscheiden, gibt's einen häßlichen Knacks beim Umschalten des Symm-Schalters. Das kann man wirkungsvoll unterdrücken, indem man sich angewöhnt, vorher den Stummschalter zum betätigen: Die Gitterableitwiderstände liegen dann nicht mehr auf Masseniveau, der 470nF Kondensator wird langsam aufgeladen, bis der Wert der Spannung an der -Ug Buchse erreicht ist (sollte ca. -80 bis -90V sein), was die EL84 absolut dicht steuert.

Frequenzgang
Der Frequenzgang der Schaltung
Hier zeigt sich die hohe Güte der Ausgangsübertrager: Völlig ohne Gegenkopplung sind an den
Enden des üblichen Hörbereichs maximal -1dB Abweichungen vom 1kHz Wert zu verzeichnen.

Zum Nachbau gibt's nicht viel zu sagen, außer die üblichen Tips: Heizleitungen eng verdrillen und weit entfernt von signalführenden Leitungen legen. Keine Masseschleifen bauen.

Meßwerte:
Ausgangsleistung pro Kanal 25W Sinus an 8W bei 340V Ub
Eingangsempfindlichkeit 4,2Veff für Vollaussteuerung
Bedarf mit Stummschaltung ca. 12mA (4,2W)
Ruhestrombedarf ca. 45mA (16W)
Maximalbedarf ca. 400mA (140W)
Zu den Leistungsangaben müssen zusätzlich noch 44W für die Heizung der Röhren addiert werden. Den Ruhebedarf kann man auch noch optimieren, wenn man Kompromisse bei den Verzerrungen in den Nulldurchgängen bei größeren Aussteuerungen eingeht. Bei den oberen Meßwerten habe ich ca. 5mA Pro Röhre eingestellt.


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Ansicht von Vorne-Oben
Gesamtansicht von vorne
Man sieht schön die von außen zugänglichen Symmetrierpotis und die beiden Schalter Stumm und Symm.
Ansicht von Hinten
Das ganze von Hinten
Die Spannungsversorgungen erfolgen via Bananenstecker.
Ansicht von Innen
Das ganze von Innen
Ein Werkstattbild beim Kalibieren.

Das Gehäuse gibt's übrigens bei ->Conrad Electronic (Best. Nr. 542814).
Insgesamt habe ich für den Spaß ca. 220 EUR berappt, da ich viel Altmaterial verwerten konnte (Röhren, z. B.). Hat sich aber gelohnt.

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